Eduard Hubl

 

Sportwissenschaftliche Betrachtungen

 

Im Spannungsfeld der Kommunikation

im Sport und in der Arbeitswelt unter

Berücksichtigung leistungsbestimmender Faktoren

Beiträge zur bildungspolitischen Entwicklung

unter Berücksichtigung ethnologischer Aspekte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 







 

 

 

 

 

© Eduard Hubl

2017 Laudatio Verlag, Frankfurt am Main

Korrektorat: Ina Balfanz

www.laudatio-verlag.de

 

 

1. Kapitel

 

Talentforschung

 

1 Einleitung

 

1.1 Allgemeines

 

Gegenwärtig wird in fast allen Staaten der olympischen Großfamilie eine sportartspezifische Talentsichtung mit unterschiedlichen Anforderungen auf der Erwartungsebene praktiziert, um die Talente so früh wie möglich entdecken zu können. Dann werden die gefundenen Talente mit den sportartspezifischen Förderprogrammen unterstützt, um dadurch eine sportartspezifische Talententwicklung langfristig planen zu können. Die Teilnehmer/-innen der Olympischen Spiele werden in einigen Individualsportarten immer jünger und die körperliche und psychische Gesamtbelastung der jüngeren Olympioniken wird dadurch in der persönlichen Entwicklung während der Kindheit und Jugendzeit immer größer. Auch im Erwachsenenalter können im sozialen Bereich Auffälligkeiten im Verhalten und Erleben für andere sichtbar werden.

Nach Ansicht des Autors sollten die Eltern, Trainer, Sportmediziner, aber auch alle anderen Betreuer und Experten – auch die Funktionäre in den Vereinen bzw. auf den unterschiedlichen Organisationsebenen des Sports – das Potenzial der Talente ganzheitlich fördern, damit eine altersgerechte Belastung im körperlichen, psychischen und sozialen Bereich optimiert werden kann. Nach dem Motto „Nicht so viel wie möglich, sondern so viel wie nötig“ kann ein innovativer Weg das „Ganzheitliche Konzept der sportartübergreifenden Talententwicklung“ sein. Das neue ganzheitliche Konzept des Verfassers versucht, die körperlichen und psychischen Überbelastungen in der Kindheits- und Jugendphase der Talente zu minimieren, damit die Talente in ihrer altersgerechten Entwicklung positiv auf der Motivationsebene unterstützt werden.

 

 

1.2 Problemstellung

 

Die sportartspezifische Talentsichtung ist im frühen Kindesalter von 5 bis 8 Jahren nach Auffassung des Autors sehr ungünstig für die Entwicklung der Kinder, denn die Kinder wollen sich durch ihren Spieltrieb miteinander bewegen und nicht ziel- und wettkampforientiert trainieren. Durch dieses frühe Trainieren kann sich durchaus eine gute Leistungsfähigkeit im Kindes- und Jugendalter entwickeln, aber die Gefahr der körperlichen und psychischen Überforderung in den Individualsportarten ist besonders groß und kann im Alter von 12 bis 14 Jahren zur psychischen Katastrophe durch Frustration führen. In den Mannschaftssportarten ist diese psychologische Überforderung seltener zu beobachten.

Die Talententwicklung beschäftigt sich mit der Sichtung, also sucht nach Talenten, hat die Betreuung altersgerecht zu optimieren und kann durch eine zeitnahe Förderung den gemeinsamen Erfolg mit den Talenten langfristig planen und sie situativ unterstützen. In der Talententwicklung ist die psychologische und soziale Ebene in allen Sportarten von sehr großer Bedeutung.

Leider werden in der sportartspezifischen Talentbetreuung die messbaren Leistungen überbewertet und die Talentmerkmale zu wenig berücksichtigt. Ein Talent wird mit seinen genetischen Fähigkeiten und frühkindlichen Prägungen immer das Potenzial zur individuellen Leistungsentwicklung in sich haben, aber fast alle Talente brauchen altersgerechte Motivationsimpulse in mehreren unterschiedlichen Bereichen des Sports, um die Chance der eigenen Disposition mit anderen erkennen zu können. Der eigene Erkenntnisgewinn wirkt positiv auf die körperliche, seelische, psychische Entwicklung aller Menschen und schafft somit eine gute Basis für Leistungssteigerungen im Hochleistungssport.

Eine harmonische altersgerechte Entwicklung kann das „Ganzheitliche Konzept der sportartübergreifenden Talententwicklung“ leisten, aber nur dann, wenn vom Zeitablauf der individuellen Leistungsplanung eine spätere Phase der Höchstleistungen gemeinsam angestrebt werden soll. Das beste Lernalter für Bewegungsabläufe ist vor der Pubertät und muss auch im sportartübergreifenden Talententwicklungskonzept berücksichtigt werden. Vor der Pubertät sollten die individuellen Fähigkeiten der Talente mit unterschiedlichen Bewegungsaufgaben konditioniert werden. Es ist sinnvoll, ein mittleres Leistungsniveau anzustreben, um dadurch dem/der Sportler/-in eine zu große Frustration nach der Pubertät zu ersparen. Erfolgsorientierte Menschen wollen viele mittelschwere Aufgaben lösen und erhöhen dadurch ihre eigene Grundmotivation.

 

 

2 Forschungsstand und Literaturaussagen

 

2.1 Der Spieltrieb als Motivationsebene in der Talententwicklung

 

Röthig et al. (1992: 406) schreiben:

„Der Begriff des Spielens bezeichnet eine besondere, freiwillige Form menschl. Tätigseins und Handelns, die in Wechselbeziehung steht zur jeweiligen Kultur, zum Spielumfeld und seinen ökonom. Bedingungen, im Prinzip unabhängig ist vom Alter, Geschlecht und Rasse und durch Erfahrung modifiziert wird. Spielen wird ausgelöst durch eine intrinsisch/extrinsisch bedingte Reizsituation und bedarf zu seiner Entfaltung einer sicheren und vertrauten Spielwelt.“

Nach Stiehler, Konzag und Döbler (1988: 78) müssen immer neue verschiedenartige Spielsituationen in Kooperation mit anderen Spielern angeboten werden, denn die sportliche Spielfähigkeit ist die komplexe Fähigkeit, Wechselbeziehungen der Teilnehmer im sportlichen Wettkampf zu verstehen und die situative Anpassung durch Selbststeuerung im Sozialverhalten zu erleben.

Hecker (1996: 92) schreibt:

„In fast allen ernst zu nehmenden Arbeiten wird festgestellt, daß Sport spielhaft sein soll und daß Sportpädagoginnen und Sportpädagogen dafür zu sorgen haben, daß die bei Kindern feststellbare Freude am sportlichen Spiel in ihrer Weiterentwicklung erhalten bleibt und da, wo sie verloren gegangen ist, wiedergewonnen wird.“

Sutton-Smith (1983: 74), der viele Untersuchungen über das Wesen des Spiels durchgeführt hat, hat den Verdacht, dass das Spiel immer mysteriös bleiben wird, weil es in unserer kulturellen Ideologie tief eingewurzelt und wissenschaftlich nur sehr schwer in Griff zu bekommen sei.

Nach Hecker (1996: 107) wird das Leistungsdenken nicht durch das spielhafte Verhalten gestört, sondern es nimmt den tierischen Ernst in der Leistungserbringung, die dann einen besonderen Erlebniswert hat, wenn sie mit spielerischer Leichtigkeit vollbracht wurde.

 

 

2.2 Gesundheitserziehung als Grundlage der altersgerechten ganzheitlichen Talentförderung

 

Nach Hecker (1996: 97) gibt es eine breite Übereinstimmung darin, dass der Schulsport nicht eindeutig auf Gesundheit, Prävention und Rehabilitation ausgerichtet sein kann, denn sonst wäre das Spielhafte in der sportlichen Bewegung im Verschwinden.

 

Was ist Gesundheit?

 

Brehm (in Bös/Brehm 1998: 35) schreibt:

„In Wohlbefindens-Modellen wird die psychische Gesundheit als ‚Wohlbefinden‘ interpretiert und im Anschluß an die Differenzierung der Weltgesundheitsorganisation in Faktoren des psychischen, des physischen sowie des sozialen Befindens unterteilt.“

 

Eigene Definition des Autors:

 

Gesundheit ist eine intrapersonelle, subjektive und nicht eindeutig messbare Wahrnehmung im Spannungsfeld der individuellen Bedürfnisbefriedigung und einer vernünftigen Lebensweise zur Optimierung der körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Veränderungsentwicklung eines Menschen.

 

Nachfolgende Definitionen a.), b.) und c.) wurden von Prof. Dr. K. Jung in seiner Vorlesung „Stressmanagement als Prävention“ im SS 2002 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Fachbereich Sport vorgestellt:

 

1.) Nach Hippokrates: „[…] Gleichgewicht, das aufrechterhalten oder wiedergewonnen werden muß durch die Wechselwirkung der eigenen Kräfte, ein Zustand vollkommener Harmonie […].“
2.) Nach der Weltgesundheitsorganisation: „[…] körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden, nicht nur frei sein von Krankheit und Schwäche […].“
3.) Nach Affemann: „[…] Fähigkeit, trotz eines gewissen Maßes an Mängeln, Störungen und Schäden leben, arbeiten, genießen und zufrieden sein zu können.“

 

Was ist Bewegungserziehung?

 

Hecker (1996: 24) schreibt: „Pädagogische Überlegungen führen zu der Feststellung, daß Sport immer so zu betreiben ist, daß er die Gesundheit nicht schädigt.“

Nach Balz (in Bös/Brehm 1998: 336) sollen die Schüler durch einen ganzheitlichen Ansatz in der sportlichen Bewegung ihre Körperreaktionen und psychischen Befindlichkeiten, aber auch soziale Zusammenhänge des Bewegungshandelns und zusätzlich ihre Umwelt als gesundheitlich wichtige Bedingung erfahren und begreifen.

Nach Kurz und Tietjens (in Bös/Brehm 1998: 105) ist die Selbsteinschätzung von Kindern über ihre sportliche Leistungsfähigkeit und die Beurteilung einer Sportnote von bedeutender Wichtigkeit für ihren Gesundheitszustand, denn wer sich für weniger talentiert hält, mit einer schlechten Note beurteilt wird, der ist weniger mit sich zufrieden und treibt dadurch weniger Sport.

Nach Krüger (in Bös/Brehm 1998: 80) gibt es im Wettkampf-, Extrem-, Breiten- und Freizeitsport viele Übungen, Intensitäten und Bewegungen, die nicht zur Gesundheitserhaltung beitragen.

Furck (1961: 11) schreibt: „[…] Das pädagogische Ziel des Sports ist nicht der Rekord, […] sondern Entfaltung des Körpers Gesundheit und – als geistiger Gewinn daraus – innere Freiheit.“

Berndt (in Bielefelder Sportpädagogen 1998: 190) schreibt:

„Kinder und Jugendliche möchten und müssen sich austoben. Sie suchen im Sport die körperliche Beanspruchung, sie möchten sich nicht nur langsam und kontrolliert bewegen, sondern schnell, explosiv, raumgreifend und mit voller Kraft. Wer Schülerinnen und Schüler gesehen hat, die nach langem Sitzen auf den Schulhof oder in die Sporthalle gerannt kommen, hat Verständnis für ihren Bewegungsdrang.“

 

Was ist Talentsuche?

 

Röthig et al. (1992: 497) schreiben:

„Als T. werden im Sport alle Maßnahmen bezeichnet, die mit dem Ziel durchgeführt werden, eine hinreichend große Anzahl von Personen (in der Regel Kinder oder Jugendliche) zu finden, die zur Aufnahme eines speziellen Trainings einer Allgemeinen Grundausbildung […] Nachwuchstrainings bereit sind und dafür Talent besitzen.“

 

Was ist Talentauswahl?

 

Röthig et al. (1992: 495) schreiben:

„Als T. werden im Spitzensport alle Maßnahmen bezeichnet, die dazu dienen, aus einer Gruppe von Trainierenden diejenigen herauszufinden, die zur Weiterführung eines spitzensportorientierten Trainings auf der nächsthöheren Trainingsstufe besonders geeignet sind.“

 

Was versteht man unter Talentprognose?

 

Röthig et al. (1992: 496) schreiben: „Als T. wird im Spitzensport die begründete Vorhersage des individuellen erreichbaren höchstmöglichen Erfolgs in einer Sportart/Sportdisziplin bezeichnet.“

 

 

3 Modellbildung zur Optimierung der Talententwicklung

 

3.1 Konzept der sportartübergreifenden Talententwicklung

 

Allgemeines

 

Nach der Talentsichtungsphase werden die gefundenen Talente in altersgerechte Talentfördergruppen eingeteilt. Die Einteilungskriterien werden situativ in Abhängigkeit von der altersgemäßen Entwicklung der Talente und deren Talentfähigkeit festgelegt. Eine optimale Gruppenstärke von 6 bis 10 Kindern sollte angestrebt werden.

Die Talentbetreuung wird sportartübergreifend zweimal pro Woche durchgeführt und die geplante Betreuungsphase soll 24 Monate nicht unterschreiten. Nach 20 Monaten in der Betreuungsphase werden die Veränderungen der Fähigkeiten und auch das Fertigkeitsniveau der Talente in unterschiedlichen Sportarten beurteilt und eine sportgruppenspezifische Empfehlung ausgesprochen. In berechtigten Ausnahmefällen wird eine verlängerte Betreuungsphase durchgeführt, um langfristig eine erfolgreiche Talententwicklung steuern zu können. Alle spielerischen Wettkampfformen sollten unbedingt auch in der Betreuungsphase in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.

Eine Spezialisierung auf eine Sportart sollte erst ab dem 11./12. Lebensjahr geplant werden, um das Potenzial der Talente optimal und langfristig zu steuern. Ein wettkampforientiertes Leistungstraining in den Individualsportarten sollte erst ab dem 13./14. Lebensjahr erfolgen.

 

 

3.2 Zeitliche Planung in der Betreuungsphase

 

Einführungsphase:

 

 

Vertiefungsphase:

 

 

Beurteilungsphase in den letzten 4 Monaten:

 

Alle Ergebnisse der „Sportmethodischen Testreihen“ in den unterschiedlichen Sportarten werden personenbezogen ausgewertet, um für die förderungswürdigen Talente Fähigkeits- und Leistungsprofile erstellen zu können. Jedes Talent erhält eine Beurteilung seiner Talentfähigkeit.

 

 

4 Methodik

 

Es wurden zwei Sportmethodische Testreihen nach Hubl im März 2005 in der Klasse 2c der Ludwig-Erk-Schule in Langen als Teststudien mit dem Schulleiter, Herrn Leonhardt, durchgeführt. Leider konnten aus organisatorischen Gründen keine weiteren Klassen an der Studie teilnehmen. Somit war eine statistische Auswertung zu diesem Zeitpunkt mit diesem Datenmaterial nicht sinnvoll.

Im Januar 2006 konnte eine weitere Grundschule, die Astrid-Lindgren-Schule in Dietzenbach, für die Durchführung der Sichtungsphase des ganzheitlichen sportartübergreifenden Talentfindungskonzeptes gefunden werden. Die zwei Sportmethodischen Testreihen wurden von den Sportlehrkräften der Klassen 2a, 2b, 2c, 3a, 3b, 3c und 3d im Zeitraum März bis August 2006 durchgeführt.

In den Klassen 2a, 2b, 2c und 3c wurde die 1. Sportmethodische Testreihe an 45 Mädchen und 42 Jungen getestet.

 

In der 1. Sportmethodischen Testreihe werden folgende Fähigkeiten gemessen:

 

Übung

Einheit

Talentfähigkeit 1

Talentfähigkeit 2

Schnelligkeit:

20-m-Sprint

5 Rollen vorwärts

 

t (Sek.)

t (Sek.)

 

30 Punkte

30 Punkte

 

15 Punkte

15 Punkte

Kraftentwicklungsfähig-keit:

Standweitsprung

Hocke mit Rücken zur Wand

Liegestütze

Klimmzüge

 

 

Weite (m)

max. t (Sek.)

max. Anzahl

max. Anzahl

 

 

10 Punkte

10 Punkte

10 Punkte

10 Punkte

 

 

5 Punkte

5 Punkte

5 Punkte

5 Punkte

Ausdauerfähigkeit:

Skippings

Pendellauf, Abstand 20 m

 

max. Anzahl in 60 Sek.

max. Laufstr. in 60 Sek.

 

10 Punkte

10 Punkte

 

5 Punkte

5 Punkte

Maximale Punkteverteilung in der Talentfähigkeit: T1 = 120 Punkte; T2 = 60 Punkte

 

Definition der Grenzen zur Unterscheidung des Talentpotenzials:

 

Harte Bedingung:

Untere Grenze der sehr hohen Talentfähigkeit:

(T1 + T2)/2 = 90 Punkte sind 75 % von 120 Punkten

90 Punkte ≤ T1(hart) < 120 Punkte

 

Mittlere Bedingung:

60 Punkte < T1,2(mittel) < 90 Punkte

 

Weiche Bedingung:

Untere Grenze der Talentfähigkeit:

50 % von min. T1,2 sind 30 Punkte

30 Punkte ≤ T2(weich) ≤ 60 Punkte

 

In den Klassen 3a, 3b und 3d ist die 2. Sportmethodische Testreihe an 34 Mädchen und 29 Jungen durchgeführt worden.

In der 2. Sportmethodischen Testreihe wird die Komplexitätsfähigkeit gemessen: Es werden 6 verschiedene Stationen aufgebaut, die in einer festgelegten Reihenfolge hintereinander ohne Erholungspause absolviert werden müssen. Es wird die gesamte Zeit aller durchlaufenen Stationen festgehalten. Die Einzelzeiten der Stationen werden nicht gemessen.

 

Station 1: 10-m-Sprint aus der Bauchlage mit einem akustischen Signal

Der Lauf wird von der Lehrkraft beobachtet und die Reaktionsfähigkeit bewertet.

 

 

Station 2: Einbeinsprünge 3-mal links und 3-mal rechts

Die Einbeinsprünge werden von der Lehrkraft beobachtet und für jede Seite mit Punkten bewertet. Der flüssige, rhythmische und somit der gesamte harmonische Bewegungsablauf ist das wesentliche Kriterium der Beurteilung.

 

 

Station 3: 3-mal Strecksprünge ohne Anhocken und 3-mal Strecksprünge mit Anhocken

Die Strecksprünge werden von der Lehrkraft beobachtet und mit Punkten bewertet. Der flüssige, rhythmische und somit der gesamte harmonische Bewegungsablauf ist das wesentliche Kriterium der Beurteilung.

 

 

Station 4: 10-mal Skippings auf der weichen Matte und 10-mal Skippings auf dem Hallenboden

Die Skippings werden von der Lehrkraft beobachtet und die Ausführung auf der weichen Matte sowie auf dem Hallenboden getrennt mit Punkten bewertet. Der flüssige, rhythmische und somit der gesamte harmonische Bewegungsablauf ist das wesentliche Kriterium der Beurteilung.

 

 

Station 5: Banklaufen auf der schmalen Seite

Das Banklaufen soll zügig durchgeführt und die Gleichgewichtsfähigkeit soll von der Lehrkraft beurteilt werden.

 

 

Station 6: Kreislaufen um eine Stange; 3-mal links, 3-mal rechts

Das Kreislaufen soll zügig durchgeführt und die Gleichgewichts-, Orientierungs- und Umstellungsfähigkeit soll von der Lehrkraft beurteilt werden.

 

 

Die maximale Verteilung für alle 6 Stationen beträgt 42 Punkte.

Die Koordinationsfähigkeiten nach Hirtz sollen von der Lehrkraft beurteilt werden.

 

 

 

5 Ergebnisse der Studie

 

5.1 Festlegung der Grenzen im 1. Sportmethodischen Test

 

Zur Bestimmung der Talentfähigkeitsgrenzen wurden für den 1. Sportmethodischen Test die Klasse 2c der Ludwig-Erk-Schule und die Klasse 2b der Dietzenbacher Grundschule, Astrid-Lindgren-Schule, ausgewählt. In dieser Normgruppe werden die Ergebnisse von 21 Mädchen (nMädchen = 21) und 22 Jungen (nJungen = 22) statistisch ausgewertet.

 

 

5.1.1 Schnelligkeit getestet durch 20-m-Sprint

 

Der arithmetische Mittelwert (M) bei den Jungen beträgt 4,84 Sek. und die Standardabweichung (s) 0,67. Bei den Mädchen wurde ein arithmetischer Mittelwert (M) von 4,91 Sek. und eine Standardabweichung (s) von 0,41 ermittelt.

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

Ergebnis:

V(T1)Jungen ≤ 3,5 Sek.; 3,5 < V(T2)Jungen ≤ 3,84 Sek.

V(T1)Mädchen ≤ 4,09 Sek.; 4,09 < V(T2)Mädchen ≤ 4,30 Sek.

 

 

5.1.2 Schnelligkeit getestet durch 5 Rollen vorwärts

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 9,40 Sek.; Mädchen = 10,41 Sek.

Standardabweichung (s): Jungen = 1,82; Mädchen = 2,32

 

Ergebnis:

V(T1)Jungen ≤ 5,76 Sek.; 5,76 < V(T2)Jungen  6,67 Sek.

V(T1)Mädchen ≤ 5,77 Sek.; 5,77 < V(T2)Mädchen  6,93 Sek.

 

 

5.1.3 Kraftentwicklungsfähigkeit getestet durch Standweitsprung

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 1,20 m; Mädchen = 1,15 m

Standardabweichung (s): Jungen = 0,21; Mädchen = 0,28

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

Ergebnis:

W(T1)Jungen ≥ 1,62 m; 1,52 m < W(T2)Jungen < 1,62 m

W(T1)Mädchen ≥ 1,54 m; 1,41 m < W(T2)Mädchen < 1,54 m

 

 

5.1.4 Kraftentwicklungsfähigkeit getestet durch Hocke mit Rücken zur Wand

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 71,2 Sek.; Mädchen = 83,2 Sek.

Standardabweichung (s): Jungen = 64,1; Mädchen = 85,9

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

Ergebnis:

t(T1)Jungen ≥ 199,6 Sek.; 167,5 Sek. < t(T2)Jungen < 199,6 Sek.

t(T1)Mädchen ≥ 192 Sek.; 160 Sek. < t(T2)Mädchen < 192 Sek.

 

 

5.1.5 Kraftentwicklungsfähigkeit getestet durch Liegestütze

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 8,1 Stück; Mädchen = 7,5 Stück

Standardabweichung (s): Jungen = 6,14; Mädchen = 5,35

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

Ergebnis:

n(T1)Jungen > 20 Stück; 17 Stück < n(T2)Jungen ≤ 20 Stück

n(T1)Mädchen > 14 Stück; 11 Stück < n(T2)Mädchen ≤ 14 Stück

 

 

5.1.6 Kraftentwicklungsfähigkeit getestet durch Klimmzüge

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 3,3 Stück; Mädchen = 3,3 Stück

Standardabweichung (s): Jungen = 4,42; Mädchen = 5,7

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

Ergebnis:

n(T1)Jungen > 13 Stück; 10 Stück < n(T2)Jungen ≤ 13 Stück

n(T1)Mädchen > 11 Stück; 8 Stück < n(T2)Mädchen ≤ 11 Stück

 

 

5.1.7 Ausdauerfähigkeit getestet durch Skippings in 60 Sekunden

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 133 Stück; Mädchen = 127 Stück

Standardabweichung (s): Jungen = 48,81; Mädchen = 49,01

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

Ergebnis:

n(T1)Jungen > 230 Stück; 206 Stück < n(T2)Jungen ≤ 230 Stück

n(T1)Mädchen > 225 Stück; 200 Stück < n(T2)Mädchen ≤ 225 Stück

 

 

5.1.8 Ausdauerfähigkeit getestet durch Pendellauf in 60 Sekunden

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 224,5 m; Mädchen = 224,4 m

Standardabweichung (s): Jungen = 40,38; Mädchen = 54,04

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

Ergebnis:

L(T1)Jungen > 305 m; 285 m < L(T2)Jungen ≤ 305 m

L(T1)Mädchen > 282 m; 260 m < L(T2)Mädchen ≤ 282 m

 

 

5.2 Festlegung der Grenzen im 2. Sportmethodischen Test

 

Die Klassen 3a, 3b und 3d wurden für die Bestimmung der Talentfähigkeitsgrenzen der 2. Sportmethodischen Testreihe festgelegt. In der zweiten Normgruppe werden die Ergebnisse von 33 Mädchen (n2[Mädchen] = 33) und 28 Jungen (n2[Jungen] = 28) mit einer Regressionsanalyse ausgewertet.

 

Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse (2. Sportmethodischer Test nach Hubl):

 

Allgemeine Regressionsfunktion: y= Rx + b;

 

Mädchen:

yR(Mädchen) = –0,377x + 50,8

Regressionskoeffizient (R) = –0,377

Mathematischer Zusammenhang: Korrelationskoeffizient (r) = –0,513

Bestimmtheitsmaß (r2) = 0,26

(Determinationskoeffizient)

 

Es besteht ein Zusammenhang bei den Mädchen von 26 %.

 

Jungen:

yR(Jungen) = –0,425x + 53,2

Regressionskoeffizient (R) = –0,425

Korrelationskoeffizient (r) = –0,447

Bestimmtheitsmaß (r2) = 0,199

(Determinationskoeffizient)

 

Es besteht ein Zusammenhang bei den Jungen von 19,9 %.

 

 

5.2.1 Ermittlung der Punkteverteilung im Komplexitätstest

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 28,2 Punkte; Mädchen = 29,9 Punkte

Standardabweichung (s): Jungen = 6,9; Mädchen = 5,9

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

1. Bedingung:

P(T1)Jungen ≥ 41 Punkte; 39 < P(T2)Jungen < 41 Punkte

P(T1)Mädchen ≥ 41 Punkte; 39 < P(T2)Mädchen < 41 Punkte

 

 

5.2.2 Die Betrachtung der Gesamtzeit für alle 6 Übungen des Komplexitätstestes

 

Arithmetische Mittel (M): Jungen = 41,5 Sek.; Mädchen = 40,0 Sek.

Standardabweichung (s): Jungen = 5,99; Mädchen = 3,85

 

Festlegung der Modellgrenzen:

 

2. Bedingung:

t(T1)Jungen < 29,5 Sek.; 29,5 ≤ t(T2)Jungen ≤ 31,0 Sek.

t(T1)Mädchen < 32,3 Sek.; 32,3 ≤ t(T2)Mädchen ≤ 33,3 Sek.

 

Endergebnis im 2. Sportmethodischen Test:

Für die Talentförderung müssen im Talentbereich 2 (T2) beide Bedingungen erfüllt sein.

 

 

5.3 Die Anzahl der gefundenen Talente

 

Mit der Durchführung der 1. Sportmethodischen Testreihe wurden von 55 Mädchen unter Berücksichtigung der weichen Bedingungen 8 Mädchen gefunden, die zwischen 30 und 55 Punkte in der Beurteilung des Talentfähigkeitspotenzials (T2) erhielten. Von den 8 Mädchen haben 3 Mädchen jeweils 30 Punkte, 2 Mädchen jeweils 35 Punkte, 1 Mädchen 45 Punkte, 1 Mädchen 50 Punkte und ein weiteres Mädchen 55 Punkte erhalten.

Bei den Jungen sind mit diesem Test 3 Talente von 52 Probanden gefunden worden, die zwischen 35 und 50 Punkte – 1-mal 35 Punkte, 1-mal 45 Punkte und 1-mal 50 Punkte – in der Beurteilung des Talentfähigkeitspotenzials erhalten haben. Im Bereich der mittleren und harten Bedingungen wurden mit diesem Test keine Talente bei den Mädchen und Jungen entdeckt.