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Joergen Mattenklotz

Auf dass es nie vergessen werde!

Die Psychiatrie im Nationalsozialismus unter Berücksichtigung der Pflege am Beispiel der Heilanstalt Eickelborn

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inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Einführung in das Thema Nationalsozialismus

Verbrechen gegen die Menschlichkeit »Zwangssterilisation bei psychisch Kranken«

Die Euthanasieaktion

Die Zeit der Euthanasie in der Heilanstalt Eickelborn

Die deutsche Öffentlichkeit und die Zeit der Krankenmorde

Schluss

Literaturverzeichnis

Anhang/Dokumente

vorwort

Die Psychiatrie war und ist vielen Wandlungen unterworfen. Menschen mit geistigen Defiziten wurden über Irrenanstalten ausgegrenzt. Um diese Menschen in ihren zum Teil unkoordinierten Bewegungsabläufen einzugrenzen, entstand das Irrenanstaltswesen. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es erste »Reformbewegungen«, eine Differenzierung zwischen heilbarer und unheilbarer Geisteskrankheit herbeizuführen, so dass die ersten Heil- und Pflegeanstalten unter gemeinsamer Verwaltung betrieben wurden. Mitte des 18. Jahrhunderts war diese gemeinsame Struktur eine anerkannte Form der Versorgung. Der Provinzialverband Westfalen (heute Landschaftsverband Westfalen-Lippe) gründete und betrieb Heilanstalten in ländlich strukturierten Räumen Westfalens. Der Provinzialverband entschloss sich im Jahre 1878, auf den Flächen des Rittergutes Eickelborn ein Haus für Landarme zu errichten. Im weitergehenden Entscheidungsprozess entschloss sich der Provinzialverband eine Irren-/Siechenanstalt zu errichten und nahm im Oktober 1883 den Betrieb auf.

Bereits im Herbst 1904 wurde eine besonders sichere Abteilung für 48 Kranke in Eickelborn errichtet. In diesem Bereich wurden entlassene Strafgefangene, die als gemeingefährliche Geisteskranke bezeichnet wurden, untergebracht. Diese Differenzierung wurde unter dem Aspekt einer freieren Behandlung der übrigen Kranken bewirkt. Bereits in jener Zeit erfolgte eine Differenzierung zwischen krankheitsspezifischen und Sicherheitsaspekten bei der Behandlung psychisch kranker Patienten. Für Eickelborn begann im Jahre 1904 die differenzierte Unterbringung von Geisteskranken mit gemeingefährlichen Neigungen. Die aufgezeigten Veränderungsprozesse erfolgten jeweils auf Basis der Beschlusslage des Provinziallandtages und erhielten dadurch eine demokratisch legitimierte Grundlage.

Die sich in jener Zeit abzeichnende hoffnungsvolle Entwicklung der Psychiatrie, auch mit Blick auf Präventionsmaßnahmen und nachgehende Fürsorge, erlebte mit der Verabschiedung des Gesetzes zur »Verhütung Krankennachwuchses« vom 14. Juli 1933 ein »jähes Ende«. In menschlich erniedrigender bzw. unwürdiger Form wurden Menschen in diesen Einrichtungen als faktisch rassisch nicht wertvolle Menschen abgestempelt und systematisch ausgegrenzt. Die Nationalsozialisten haben in ihrem totalitären Gebaren systematisch diese Menschen isoliert.

Die vorliegende Arbeit von Herrn Joergen Mattenklotz beschäftigt sich mit der Psychiatrie im Nationalsozialismus, dargestellt an Prozessen und Lebensumständen betroffener Menschen in der Heilanstalt Eickelborn. Herr Mattenklotz hat eine Dokumentation an Beispielen im Kampf um eine menschenwürdige Begleitung seelisch Kranker und geistig Behinderter dargestellt.

Durch Gedenkfeiern wird auch noch bis in die heutige Zeit dieser negativen Vergangenheit gedacht. Es soll den Menschen verdeutlichen, die diese Zeit nicht erlebt haben, zu welch scheußlichen Taten Menschen in der Lage sind, wenn totalitäre Machthaber gesellschaftliche und politische Dominanz übernehmen.

Herrn Mattenklotz gratulieren wir zu dieser umfassenden und kritischen Arbeit und Auseinandersetzung mit dem Fragenkomplex der Psychiatrie im Nationalsozialismus.

Werner Bresser

Stellvertretender Kaufmännischer DirektorWestfälische Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Lippstadt-Eickelborn

einleitung

Über die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland gibt es zahlreiche Literatur, aber kaum eine Beschreibung, die sich mit dem Umfeld und den Betroffenen in einer psychiatrischen Klinik auseinandersetzt.

Im Rahmen dieser Abschlussarbeit, ergibt sich jetzt die Möglichkeit dies für die Klinik in Eickelborn zu tun. Noch heute, bald 60 Jahre später, stehen hier Gebäude oder Gebäudeteile, in denen Verbrechen gegen die Menschlichkeit durchgeführt wurden.

Besonders interessiert mich, inwieweit das Pflegepersonal aktiv an Verbrechen gegen die »Pfleglinge« beteiligt war.

Diese Facharbeit umfasst fünf große Themenbereiche:

Im ersten Teil definiere ich umfassend die Begrifflichkeiten »Nationalsozialismus« und »Euthanasie«.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Thematik der »Zwangssterilisation bei psychisch Kranken«.

Der dritte Teil beschreibt allgemein die »Euthanasie bei psychisch Kranken« und die Beteiligung des Pflegepersonals.

Der vierte Teil befasst sich mit der Zeit der »Euthanasie« in der Heilanstalt Eickelborn.

Zunächst beschreibe ich die Deportation der »Pfleglinge« über Zwischenlager nach Hadamar. Dem folgt ein Bericht über Veränderungen für die verbliebenen »Pfleglinge«, die die Situation der Nationalsozialismus und des Krieges mit sich brachten.

In der Klinik hatte ich die Gelegenheit, sowohl einen damaligen Krankenpfleger als auch einen ehemaligen »Pflegling« zu interviewen. Sie schildern beide aus ihrer Sicht die damaligen Zustände. Das Interview bildet den Abschluss dieses thematisch zusammenhängenden Blockes.

Der fünfte und letzte Teil beleuchtet zunächst allgemein die Öffentlichkeit zur Zeit der »Euthanasie«. Ich versuche hier durch aufgestellte Thesen, das Verhalten der Öffentlichkeit begreifbarer zu machen. Dem folgt ein Abschnitt über den Widerstand in der psychiatrischen Klinik am Beispiel Eickelborns.

Den Abschluss meiner Arbeit bilden ein Resümee und ein Anhang, welcher noch interessantes Material zum Thema beinhaltet.

einführung in das thema nationalsozialismus

Der Begriff Nationalsozialismus

Nationalsozialismus, extrem nationalistische, völkisch-antisemitische revolutionäre Bewegung in Deutschland, die sich unter der Führung Adolf Hitlers in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) organisierte und auf deren Basis Hitler 1933 in Deutschland ein faschistisches Regime errichtete.

Hitlers Ideologie ist keine ausgearbeitete, in sich schlüssige Lehre, sondern eher ein Zielkatalog, der durchaus Abweichungen innerhalb des vorgegebenen Rahmens zuließ. Kern seiner Ideologie waren ein rassisch motivierter, radikaler Antisemitismus und die Doktrin des Lebensraumes; die Vernichtung des Judentums und die Schaffung von Lebensraum war nach Hitlers Auffassung durch einen einzigen Krieg gegen die Sowjetunion zu erreichen; daran anschließen sollte sich die Erringung der Herrschaft auf dem ganzen europäischen Kontinent, dann das Ausgreifen nach Übersee und der Kampf mit den USA um die Weltherrschaft.

Am Ende stünde die Herrschaft eines »Herrenvolkes«. Hitler ging mit seinen sozialdarwinistisch und rassisch motivierten Vorstellungen davon aus, dass die Geschichte ein permanenter Kampf der Völker um Selbsterhaltung, Vermehrung und Erweiterung ihres Lebensraumes sei, an dessen Ende das »rassisch wertvollere« Volk siegen werde. Wie sich im universalen Rahmen das rassisch wertvolle Volk durchsetze, so setzte sich im nationalen Rahmen die rassisch wertvolle Persönlichkeit durch, die die Führung der Volksgemeinschaft beanspruchen dürfe (»Führerprinzip«).

Die Juden seien rassisch minderwertig und unfähig, einen lebensfähigen Staat zu bilden, und versuchten deshalb, sich mit rassisch höheren Völkern zu verbinden bzw. sie zu versklaven, um sich selbst zu erhalten. Außerdem würden sie, da sie die Wertunterschiede zwischen den Rassen und die Notwendigkeit des Lebenskampfes zwischen den Völkern ignorierten, internationalistisch agieren und über internationalen Bewegungen (z.B. Marxismus, Bolschewismus, Demokratie, Liberalismus, die folgerichtig ebenso wie das Judentum abzulehnen und genauso radikal zu bekämpfen waren) die Welt dominieren.

Das deutsche Volk als rassisch wertvolles habe daher die Aufgabe, die Juden zu bekämpfen und den Lebenskampf zwischen den Völkern wieder zu aktivieren.

Für die Massen bestechend und verlockend war die Tatsache, dass sich im Nationalsozialismus scheinbar die zwei Ideologien verbanden, die seit dem späten 19. Jahrhundert die politische Auseinandersetzung dominierten und die bislang als unvereinbar galten: Nationalismus und Sozialismus, das heißt nationale Stärke und sozialer Staat. Die Verbindung dieser beiden Begriffe in der neuen Formel »Nationalsozialismus« (unabhängig von dessen tatsächlichem ideologischen Inhalt) war nahezu ideal, um Wähler zu mobilisieren und gleichzeitig integrierend zu wirken. Neben dem Mittelstand, der das Gros der NSDAP-Wähler stellte, konnte sich auch die Arbeiterschaft durch die im Begriff Nationalsozialismus implizierte soziale Gerechtigkeit angesprochen fühlen; und da ein klar formuliertes, in sich abgeschlossenes Programm fehlte, die Partei vielmehr taktisch äußerst flexibel agierte, konnten sich zahlreiche Einzelinteressen in der NSDAP vertreten sehen.

Weitere Gründe für den Erfolg der Partei waren die intensive Betonung der »Volksgemeinschaft«, das heißt des Zusammengehörigkeitsgefühls der Deutschen; die Anerkennung, zum Teil sogar Förderung der nationalsozialistischen Ziele durch die etablierten Kräfte; die tiefe soziale und politische Krise im Deutschland der Weimarer Republik und ein allgemeiner politischer Rechtsruck Mitte der zwanziger Jahre, der europaweit zur Entstehung von autoritären Regimes führte.

Die so genannte »Machtergreifung« ist nicht auf das Datum des 30. Januar 1933 zu reduzieren, sondern sie vollzog sich schrittweise bis zum 2. August 1934, als Hitler nach dem Tod Hindenburgs auch das Amt des Reichspräsidenten übernahm und als »Führer und Reichskanzler« praktisch unumschränkte Macht ausübte.

Wichtigstes Moment bei der »Machtergreifung« war unter dem Schlagwort der »nationalen Erhebung« des deutschen Volkes die Gleichschaltung aller Bereiche des öffentlichen Lebens und die Übernahme aller wichtigen Machtpositionen in Politik und Gesellschaft durch die Nationalsozialisten. Daneben spielte die Bezugnahme der NSDAP und ihrer nationalen Revolution auf die preußisch-deutsche Tradition eine entscheidende Rolle für die Akzeptanz ihres Systems; diese Beanspruchung der Tradition fand ihren propagandistisch sinnfälligen Ausdruck im »Tag von Potsdam« am 21. März 1933, als sich Hitler und Hindenburg über dem Grab Friedrichs des Großen die Hände reichten. Kennzeichnend für die Machtergreifung war weiterhin das unberechenbare Nebeneinander von Legalität – soweit sie als Instrument zur Erreichung nationalsozialistischer Ziele einsetzbar war – und Terror.

Die Gleichschaltung durchdrang alle Ebenen von Staat und Gesellschaft. Auf Reichsebene bedeutete sie die Verdrängung Deutschnationaler wie Franz von Papen und Alfred Hugenberg aus der Reichsregierung und auf Länderebene die sukzessive Übernahme der Länderregierungen durch die NSDAP: Gauleiter der Partei wurden zu »Reichstatthaltern« in den Ländern ernannt. Vorreiter der Ländergleichschaltung und zugleich Zentrum der Machtergreifung war Preußen: In dem größten deutschen Land hatte Herrmann Göring das Amt des Innenministers und ab April das des Ministerpräsidenten inne und damit die Verfügungsgewalt über den preußischen Polizeiapparat, den er noch durch eine 50.000 Mann starke Hilfspolizeitruppe, die sich vor allen aus SA- und SS-Männern rekrutierte, verstärkte. Es gab in Preußen nun keine Staatsgewalt mehr, die gegen die terroristischen Ausschreitungen der SA gegen Kommunisten und Sozialdemokraten im Vorfeld der Reichstagswahlen vom 5. März hätte eingreifen können. Die Parteien wurden im Zuge der Gleichschaltung im Sommer 1933 aufgelöst bzw. zur Selbstauflösung gezwungen, die Gewerkschaften durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ersetzt; desgleichen wurden alle anderen Organisationen und Vereine gleichgeschaltet und möglichst breite Schichten der Bevölkerung in nationalsozialis-tischen Verbänden zusammengefasst (z.B. Hitler-Jugend, NS-Deutscher Studentenbund, NS-Lehrerbund, NS-Beamtenbund).

Die Bereiche Kultur und Presse wurden der totalen Kontrolle durch die im September 1933 vom Reichspropagandaminister Joseph Goebbels gegründeten Rechtskulturkammer unterstellt, und auch die christlichen Kirchen suchte man der Parteilinie zu unterwerfen. Gleichschaltung bedeutete auch die umfassende Überwachung der Bevölkerung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo), die Verfolgung politisch Andersdenkender und ihre Internierung in Konzentrationslagern sowie die Verschärfung der Rechtsprechung bei politischen Delikten.

Die Überwachung erstreckte sich bis in die private Sphäre. Innerhalb relativ kurzer Zeit war die Gleichschaltung in allen Bereichen in die Wege geleitet und am 1. Dezember 1933 definierte das »Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat« die NSDAP als »Trägerin des deutschen Staatsgedankens und mit dem Staate unlösbar verbunden«. Die totale Einheit von Staat und Partei konnte jedoch nie vollkommen verwirklicht werden. Möglich wurde die Errichtung der autoritären NS-Herrschaft durch die Aushöhlung bzw. faktische Außerkraftsetzung der Weimarer Verfassung im Einvernehmen mit den konservativen Kräften.

Die bereits am 4. Februar 1933 entsprechend Artikel 48 der Weimarer Verfassung erlassene Notverordnung erlaubte eine rigorose Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit. Das »Gesetz zum Schutz von Volk und Reich« vom 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand erlassen, setzte wesentliche Grundrechte außer Kraft, schuf so die Voraussetzungen für die planmäßige Verfolgung von Kommunisten und Sozialdemokraten und begründete den permanenten Ausnahmezustand.

Das »Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich« vom 24. März 1933, das Ermächtigungsgesetz, hob die Gewaltenteilung auf, ermächtigte die Regierung zum Erlass von Reichsgesetzen außerhalb der Verfassungsordnung und machte die Regierung vom Reichstag unabhängig. Alle diese Gesetze wurden vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg abgesegnet.

Nach der Machtergreifung konzentrierte sich Hitler auf sein eigentliches Ziel: Die Vernichtung des Judentums und die Schaffung von Lebensraum, das heißt die Vorbereitung des Krieges, die »Wehrhaftmachung« des deutschen Volkes.

Vorgesehen war die Besiedelung Polens, des Baltikums und von Teilen der Ukraine. Begleitet wurde der Russlandfeldzug von einer rigorosen Bevölkerungs- und Rassenpolitik, das heißt vom millionenfachen Mord an Juden und anderen missliebigen Personen. Innerhalb von drei Jahrzehnten sollten die ansässige Bevölkerung zum großen Teil nach Sibirien umgesiedelt und durch Deutsche ersetzt werden, der kleinere »gutrassige« Teil sollte bleiben dürfen. Ziel waren die Züchtung rassisch »Gutwertiger« innerhalb des Reichsgebiets und die Ausmerzung »lebensunwerten« Lebens.

Diese Bevölkerungspolitik blieb jedoch in ihren Ansätzen stecken. Direkt im Gefolge der Wehrmacht kamen SS-Einsatzgruppen, der Sicherheitsdienst (SD) und die Sicherheitspolizei (SP) in den Osten; sie hatten den Befehl, alle Juden und »reichsfeindlichen« Elemente, z.B. sowjetische Politikkommissare, zu töten. Zwischen Juli 1941 und April 1942 wurden laut Vollzugsmeldungen 560.000 Menschen ermordet. In der Folge fielen den in ortsfeste Dienststellen umgewandelten Einsatzgruppen nochmals mindestens eine halbe Million Menschen zum Opfer.

Kernstück der nationalsozialistischen Ideologie war die Rassenpolitik, das heißt die Durchsetzung der »höher-« bzw. »hochwertigen« Rasse sowie deren Weltherrschaft und dementsprechend die Verdrängung bzw. Vernichtung der »minderwertigen« Rassen und »reichsfeindlichen« Personen.

»Nationalsozialistische Gewaltverbrechen« (NSG) bezeichnet als offizieller Begriff diejenigen rechtswidrigen Tötungshandlungen, die nicht im direkten Kriegszusammenhang von staatlichen Organen an Juden, Sinti und Roma, Geistesschwachen, Homosexuellen und politischen Gegnern begangen, veranlasst oder geduldet wurden und die, weil im Einvernehmen mit der Staatsmacht begangen, nicht verfolgt wurden. Die während des Krieges von Deutschen besetzten Länder begannen sofort nach Kriegsende mit der Strafverfolgung der NSG. Die deutschen Gerichte beschränkten ihre Strafverfolgung nach Anweisung der Alliierten zunächst auf Verbrechen von Deutschen an Deutschen; nur die von den Alliierten geführten Nürnberger Prozesse gingen weit über diesen Rahmen hinaus. In der Bundesrepublik Deutschland setzte die systematische Strafverfolgung erst in den fünfziger Jahren ein.

Zu den Nationalsozialistischen Gewaltverbrechen zählen u. a.: Die willkürliche Tötung politischer Gegner (vor allem von Kommunisten und Sozialdemokraten) in spontan errichteten Konzentrationslagern und Folterstätten unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933.

Die über 16.000 Todesurteile, die der Volksgerichtshof und andere Sondergerichte im Widerspruch zu allen rechtsstaatlichen Grundprinzipien verhängten.

Die Tötung von etwa 100.000 geistesschwachen und gebrechlichen Personen im Zuge der so genannten »Euthanasie-Aktion«.

Die willkürliche Ermordung Zehntausender in Konzentrationslagern und Zwangsarbeitslagern internierten Personen, außerdem starben Tausende aufgrund der katas-trophalen Lebensbedingungen in den Lagern.

Die Ermordung von etwa 80.000 bis 100.000 als »reichsfeindlich« eingeschätzter Polen während des Polenfeldzuges und die Ermordung von weit über einer Million Juden, Sinti und Roma und an derer politisch und rassisch missliebiger Personen während des Russlandfeldzuges.